Peter Welk – Gedichte und Geschichten

Veilchen

Ich bin bestellt. Und noch nicht abgeholt.

Und wie man sieht: Ich warte schon ein Weilchen.

Da sitz ich also. Irgendwie verkohlt

Und ziemlich nackt als ungepflücktes Veilchen.

 

Schön wärs, verdammtnochmal, wenn einer käme,

Egal, aus welcher Richtung, und der nähme

Mir der Gedanken Schwärze von der Seele,

Auf dass ich mich in ihn hineinverstehle –

 

Wie das gemeint ist? Ist doch piepegal.

Ich ahne jedenfalls den tiefern Sinn:

Das ganze Leben ist ein Jammertal,

Und ich sitz nackt und wartend mittendrin.

 

(c) Peter Welk

 

(Fotografie ca 1910)