Peter Welk – Gedichte und Geschichten

Du hast Papiere nicht und Ahnen,

Du hast nur einen runden Leib,

Und die Behörden kratzen Kreuze

betreffs: „Festendlicher Verbleib?“

 

Du hast in meinem Bett gelegen

vorgestern Abend im August

Und hast gesagt: „Herr Nachbaa, gelle,

Se maches korrz, isch hob ko Lust.“

 

Und saß ein Vogel vor dem Fenster

Und hatte einen Ehrenplatz -

„Herr Nachbaa, sehn Se, unner Mensche

Is doch es Edstle son Schpatz,

 

Der fliescht erum un hockt am Errker

Un guckt enoi un hot ko Geld,

Des issen Schpatz un iss als solscher

Beliebt, gefiddert un gemeld.“

 

Du hast Papiere nicht und Ahnen,

Und übermorgen bist du tot,

Und vor den Fenstern alle Vögel

Spalieren dir im Morgenrot,

 

Und hinter Wolken schreibt ein dicker

Prophet dich ein in die Kartei.

„Herr Nachbaa, sehn Se, unner Mensche,

Do muss mer mindstens Engel sei.“

 

(c) Peter Welk

 

Kleine Rotlichtballade hessisch

Live-Mitschnitt vom 7. Hildener Literaturkonzert 2013