Peter Welk – Gedichte und Geschichten

Paula

Ich heiße Paula – manchmal auch Pauline,

Ganz wie der Mensch, der mich gekriegt hat, grade guckt.

Hinwiederum entnehme ich dann seiner Miene,

Ob ihm das Herz vor Ärger oder Liebe zuckt.

 

Ich kam zur Welt in einem Kuhstall niederrheinisch,

Und familiär warn wir zu Sechsen schwarz verknäult,

Die Welt roch toll und auch ein bisschen oberschweinisch,

Und manchmal nachts hab ich drauflosgeheult.

 

Dann kam der Mensch mit einem Auto vorgefahren,

Er kam zu zweit und hat mein Kuhstallglück zerstört,

Ich hielt vor Angst die Schnauze als wir auf der Reise waren

Von nun an hab ich ihm wie ein Geschenk gehört.

 

Er mag mich. Doch. Ich ihn. Doch, doch. Und wenns mich gruselt,

Zum Beispiel in der Nacht vor seiner Zimmertür,

Drück ich die Klinke, und dann nix wie reingewuselt

Zu ihm ins Bett! Was kann ich denn dafür,

 

Wenn ich beim Klinkedrücken seine Tür verkratze,

Ich schmeiß auch Vasen um und fetze Teppichecken,

Ich bin noch minderjährig, bitteschön! Und mit der Tatze

Kann ich die Lümmelkatze unterm Tisch erschrecken.

 

Ich will mich übermorgen an die Welt gewöhnen,

Bis dahin schmeiß und beiß und fetz und setz ich mich

In jede Pfütze! Und ich hoffe aufs Versöhnen,

Wenn mich der Mensch beim Pfützesitzen anblickt

Wie einer, der zum Hundemord sich anschickt,

Dann denk ich: Paula, lass ihm Zeit, auch der beruhigt sich.

 

(c) Peter Welk