Joachim Ringelnatz

Peter Welk – Gedichte und Geschichten

Abschiedsworte an Pellka live mit Peter Welk  >>>

vom Hilener Tete-a-Tete 2011

Ich habe versucht, einen Wind einzufangen.

Aber ich fand das Gefangene nicht.

Ich bin durch tiefe Wälder gegangen,

Wo der Wind ganz tief mit den Wipfeln spricht,

Wipfeln von ganz hohen Kiefern.

Ich sah im Moos eine Bierflasche liegen.

Wenn ich in einem Bierversand

Die würde abliefern,

Bekäme ich zehn Pfennige Pfand.

Ich habe versucht, das viele Versuchen

Ganz aufzugeben.

Ich nahm einer Wanze das Leben,

Die mich nur gejuckt hat.

Unsereiner

Wird immer kleiner,

Je tiefer er ins Leben geguckt hat.

Ich habe versucht
einen Wind einzufangen

Bild: www.free-picture.net

Mit Muschelkalk beim Diktat
(
Bild: oztypewriter.blogspot.de )

Ringelnatz-Programm – 2014 in Dresden

Das Schönste und das Wichtigste an einem Abend: Gedichte, biografische Notizen.

Peter Welk live in einem etwas halligen Saal.

Ein großer Seemann wollte er werden, der kleine Herr aus dem sächsischen Wurzen, weil er aber kurzsichtig war, gings schief. Er musste sich als Agent durchschlagen, probierte es als Archivar und Dekorateur, war Bibliothekar bei Baron von Münchhausen, versuchte sich als Fremdenführer und Gartenbauschüler und gab im Telefonbuch, weil es nach Höherem klang, als Beruf Kunstmaler an. Vielleicht seiner Frau zuliebe, die er Muschelkalk nannte, Tochter eines Bürgermeisters einer märkischen Kleinstadt, deren sanfte Bürgerlichkeit so gar nicht zu der vagabundierenden Unvernunft des Joachim Ringelnatz passte, der eigentlich Hans Bötticher hieß: geboren am 7. August 1883. "Der letzte Bajazzo des literarischen Kabaretts", wie man ihn bewundernd genannt hat.

 

Die Nazis verbrannten seine Bilder, setzten seine Bücher auf die schwarze Liste, und per Verfügung vom 12. April 1933 wurde das „geplante Auftreten des Schriftstellers Joachim Ringelnatz in der Künstlerkneipe Simplizissimus zum Schutze von Volk und Staat" von der bayerischen Polizei untersagt. Um leben zu können, machte er seifenblasenbunte Reklame-Verse: „Es wechseln die Moden, / aber der Hosenboden / bleibt sinngemäß / immer unterm Gesäß.”

 

Der Schauspieler Paul Wegener hat diesen unmöglichen, unverzagten, unermüdlich Unsinn in Dichtung umwünschenden Sternengucker Joachim Ringelnatz so beschrieben: "Er war ein Mensch, der am liebsten die Blumen im Teppich begossen hätte, weil die niemals Wasser bekommen."

Am 17. November 1934 starb Ringelnatz. Bei der Beerdigung spielte die Orgel sein Lieblingslied: La Paloma.