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Peter Welk, Gedichte und Geschichten

Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen.

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Schöne Junitage

Mitternacht, die Gärten lauschen,
Flüsterwort und Liebeskuss,
Bis der letzte Klang verklungen,
Weil nun alles schlafen muss –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.

Sonnengrüner Rosengarten,
Sonnenweiße Stromesflut,
Sonnenstiller Morgenfriede,
Der auf Baum und Beeten ruht –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.

Straßentreiben, fern, verworren,
Reicher Mann und Bettelkind,
Myrtenkränze, Leichenzüge,
Tausendfältig Leben rinnt –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.

Langsam graut der Abend nieder,
Milde wird die harte Welt,
Und das Herz macht seinen Frieden,
Und zum Kinde wird der Held –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.

Detlev von Liliencron

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Detlev von Liliencron (1844-1909)

Detlev von Liliencron (1844-1909)

So sahen sie damals aus, die Lyriker: Theodor Storm, Paul Heyse, Detlev von Liliencron – rauschebärtig, dandybärtig, schnauzbärtig. Der Schnauzbart Liliencron schlug sich nach kurzer Militärkarriere und ein paar Jahren Verwaltungsarbeit als freier Schriftsteller durchs bürgerliche Leben.

Theodor Storm (1817-1888)

Theodor Storm (1817-1888)

Paul Heyse (1830-1914)

Paul Heyse (1830-1914)

Von Aufbruch, Großstadtrummel, Industriemoderne: Davon wollte er nichts wissen. Er war, ähnlich den Romantikern, auf der Flucht vor allem, was als Fortschritt auf ihn eindrosch. Die imaginären Landschaften waren sein Zuhause. Liliencron konnte sich aber auch in einem derben, unverblümt realistischen Suffgedicht austoben (und, für seine Zeit ungewohnt, in freien Rhythmen): „Ich sitze zwischen Mine und Stine / Den hellblonden hübschen Friesenmädchen / Und trinke Grog“ ... „Die Welt ist das Tal der Küsse / Die Welt ist der Berg des Kummers / Die Welt ist das Wasser der Flüssigkeit / Die Welt ist die Luft des Unsinns.“ Detlev von Liliencron ist als Lyriker beinahe vergessen. Leider.

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