Peter Welk – Gedichte und Geschichten

Herbst

Auch der Schönste kommt ins Alter,

Und die Pfirsichhaut wird rau,

Aus dem buntgemalten Falter

Wird ein reifer Mann in Grau.

 

Auch der Schönste kriegt mal Runzeln,

Und die Backen knittern ein,

Und das patentierte Schmunzeln

Passt nicht mehr wie früher rein.

 

Als die Fünfzig näher kamen,

Hat er Vierzig draus gedreht,

Allen sturmerprobten Damen,

Die es gern zur Kenntnis nahmen,

Hats den Atem weggeweht.

 

Damals stand er in der Blüte,

Heute steht er gut im Most.

Siebzig Jahre, Gott behüte,

Und gedankt seis seiner Güte,

Sind noch lange nicht der Rost.

Siebzig Jahre sind die Fülle,

Man beneidet ihn darum:

Um die ausgereifte Hülle,

Um den Glanz der Herbstidylle,

Um den Buckel voller Zeit

Und den Trend zur Ewigkeit.

 

Auch der Schönste wird mal Engel,

In die Hölle kommt er nicht.

Und im himmlischen Gedrängel

Leuchtet ihm ein Extralicht.

 

(c) Peter Welk

Das Gedicht in der Fassung für Tango vom Autor auf einen uralten Tango gesungen

Lithografie Honoré Daumier